In den letzten Tagen ist da viel Müdigkeit. Keine plötzliche, keine dramatische. Eher eine, die sich still in den Alltag legt. Ich schlafe, ich ruhe mich aus, und doch fühlt es sich an, als würde mein System nach mehr verlangen. Nach Pausen und Langsamkeit – nach weniger Wollen.
Früher hätte ich diese Müdigkeit hinterfragt. Hätte gesucht, woran es liegt, was nicht stimmt oder was ich verändern müsste. Heute mache ich das weniger. Ich bleibe eher sitzen und höre zu. Nicht, um eine Antwort zu finden, sondern um wahrzunehmen, was gerade da ist.
Müdigkeit als Zeichen innerer Integration
Es gibt eine Form von Müdigkeit, die nichts mit Erschöpfung zu tun hat und auch nichts mit Überforderung. Sie taucht oft dann auf, wenn innerlich etwas seinen Platz sucht. Wenn Erkenntnisse nicht mehr nur gedacht, sondern gelebt werden wollen. Wenn sich etwas Altes löst, ohne dass das Neue schon greifbar ist.
In solchen Phasen wird es oft stiller, langsamer und weniger eindeutig. Genau das fühlt sich für viele irritierend an, weil wir gelernt haben, Stillstand oder Müdigkeit sofort als Problem zu lesen. Dabei geschieht innerlich oft mehr, als wir im Außen sehen können.
Wenn das Nervensystem nachreift
Nicht alles, was wir verstehen, ist im Körper bereits angekommen. Manches braucht Zeit, um sich zu verankern – zu integrieren. Schicht für Schicht. Das Nervensystem sortiert – leise unauffällig, aber spürbar. Nicht messbar, nicht erklärbar, aber dennoch real.
Vielleicht ist das der Moment, in dem weinger möglich ist, weil innerlich mehr geschieht. Nicht, weil etwas blockiert ist, sondern weil etwas integriert wird. Ohne Ziel, ohne Tempo, ohne dass es benannt werden muss.
Sich der Müdigkeit hingeben
In den letzten Tag gab es einen Momenta, da habe ich nicht weitergemacht. Ich habe mich nicht zusammengerissen und auch nicht versucht, wach zu bleiben. Ich habe mich auf das Sofa gelegt. Mit dieser Müdigkeit, die nicht laut war, aber bestimmt.
Ein Teil von mir war dabei unruhig. Die alte Stimme meldete sich sofort. Die, die rechnet. Wenn du jetzt schläfst, kannst du eute nach nicht schlafen. Dann gerät alles durcheinander.
Ich kenne diese Gedanken. Sie kommen schnell, wenn ich mir etwas erlaube, das nicht geplant war. Wenn ich dem Körper folge, statt dem Ablauf. Und trotzdem bin ich geblieben und bin eingenickt. Nicht lange, nicht tief – aber genug.
Danach war nichts beeinträchtigt. Die Nacht kam trotzdem und der Schlaf auch. Vielleicht war genau das die eigentliche Erfahrung. Nicht das Ausruhen an sich, sondern das Vertrauen, dass sich nicht alles sofort verschiebt, nru weil ich auf mich höre.
Alte Rollen werden müde
Oft gehen alte Rollen nicht mit einem klaren Entschluss. Sie lösen sich nicht auf einen Schlag auf. Sie werden müde. Die Rolle, die immer funktioniert hat. Die, die gehalten hat. Die, die sich angepasst hat, ohne es wirklich zu merken.
Wenn diese Rollen leiser werden, fühlt sich das nicht automatisch erleichternd an. Manchmal entsteht erst einmal eine Leere oder Orientierungslosigkeit. Ein Dazwischen, in dem nichts greift wie früher – und noch nichts Neues da ist. Auch das gehört zu diesem Prozess.
Eine Einladung statt einer Lösung
Vielleicht geht es gerade nicht darum, wieder leistungsfähig zu werden. Nicht darum, schneller zu sein oder zurück in eine alte Form zu finden. Vielleicht darfst du dieser Müdigkeit einen Moment lang zuhören, ohne sie einordnen zu müssen.
Nicht alles, was sich wie Stillstand anfühlt, ist ein Rückschritt. Manches ist ein inneres Ankommen, das Zeit braucht. Es braucht Raum undn die Erlaubnis, nichts daraus machen zu müssen.
Wenn du dich darin wiedererkennst
Dann lies diesen Text nicht als Erklärung. Sieh ihn eher als Begleitung. Als Erinnerung daran, dass Prozesse nicht laut sein müssen, um wirksam zu sein.
Vielleich reicht es gerade aus einfach da zu sein. Mit alles, was müde ist und mit allem, was sich leise neu sortiert.

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